Was ist...?

Nachhaltigkeit, CSR, ISO 26000, GRI G4, ... - das Thema der nachhaltigen Entwicklung ist geprägt von zahlreichen  Begriffen, Abkürzungen und Anglizismen. An dieser Stelle wollen wir Ihnen grundlegende Definitionen und Begriffsklärungen sowie weiterführende Quellen geben.

 

Wenn Sie der Meinung sind, dass wichtige Begriffe, Abkürzungen oder Standards fehlen, schreiben Sie uns doch. Wir sind bemüht, unseren Glossar laufend zu erweitern und zu verbessern.

CSR

CSR meint verantwortliches unternehmerisches Handeln in der eigentlichen Geschäftstätigkeit (dem Markt), über ökologisch relevante Aspekte (Umwelt) bis hin zu den Beziehungen mit Mitarbeitern (Arbeitsplatz) und dem Austausch mit den relevanten Anspruchs- bzw. Interessengruppen, den sogenannten Stakeholdern.

 

Es gibt zahlreiche Definitionen für CSR, wobei sich in Europa mittlerweile am ehesten die Definition der Europäischen Kommission als gemeinsames Verständnis etabliert hat:

 

„Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren" bzw.  „die Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft.“

 

In Bezug zur Freiwilligkeit gibt es aktuell die Entwicklung, CSR doch stärker gesetzlich zu regeln. Ausgehend von der Ende 2014 veröffentlichten EU-Richtlinie zur Berichtspflicht nicht-finanzieller Aktivitäten von Unternehmen mit mehr als 500 MitarbeiterInnen wird spätestens Ende 2016 auch die nationale Gesetzgebung angepasst werden.

 

Mit CSR thematisch verwandte und teilweise synonym verwendete Begriffe sind

  • Corporate Responsibility
  • Corporate Citizenship
  • Corporate Governance
  • Nachhaltige Unternehmensführung

Weiterführende Informationen:

Video der Uni St. Gallen zu Corporate Social Responsibility (CSR)

nachhaltige Entwicklung

Erstmalig definiert wurde der Begriff 1987 im sogenannten "Brundtland-Bericht" der UNO Kommission für Umwelt und Entwicklung, benannt nach seiner Vorsitzenden, der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland:

 

„Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“

 

sowie

 

„Im wesentlichen ist dauerhafte Entwicklung ein Wandlungsprozess, in dem die Nutzung von Ressourcen, das Ziel von Investitionen, die Richtung technologischer Entwicklung und institutioneller Wandel miteinander harmonieren und das derzeitige und künftige Potential vergrößern, menschliche Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen.“

 

Die zweite, ausführlichere Definition stellt deutlicher klarer auf die Zusammenhänge und notwendigen Änderungen des Verhaltens ab und zeigt die Abhängigkeiten bzw. die Erfordernis eines ganzheitlichen gesellschaftlichen Wandels.

 

Der Deutsche Rat für nachhaltige Entwicklung bietet eine aktuelle Defintion an, indem er den Begriff der nachhaltigen Entwicklung durch zukunftsfähiges Wirtschaften ersetzt und darin festhält, dies bedeute

 

"dass wir unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen müssen, da das eine ohne das andere nicht zu haben ist."

 

Weiterführende Informationen:

Video der Uni St. Gallen zu unternehmerischer Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit

Das Prinzip der Nachhaltigkeit wurde bereits 1144 in der Forstordnung des deutschen Klosters Mauermünster im Elsaß festgehalten. Diese stellte darauf ab, den Waldbestand ökonomisch so zu nutzen, dass nur der Ertrag verwertet wird, die Substanz jedoch erhalten bleibt. Dies bedingt, dass nur soviel entnommen werden kann, wie im selben Zeitraum nachwachsen kann. Den Begriff "Nachhaltigkeit" selbst prägte im Jahre 1713 der Berghauptmann Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk sylvicultura oeconomica.

 

In unsere heutige Welt übertragen kann der Begriff sowohl als Haltung als auch als Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung verstanden werden, bei dem die Regenerationsfähigkeit und Stabilität des jeweiligen Systems im Vordergrund steht.

 

Darüber hinaus hat "Nachhaltigkeit" durch eine starke Verbreitung in der öffentlichen Diskussion eine begriffliche Auflaung erfahren. Die wohl am weitesten verbreitete und gebräuchlichste Verwendung wurde durch die Definition von "nachhaltiger Entwicklung" der Brundtland-Kommission geprägt (siehe unseren Abschnitt zu nachhaltiger Entwicklung hier im Glossar).

 

Um die Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Bereichen nachhaltigen gesellschaftlichen Lebens und Handelns widerzuspiegeln, wird oft das sogenannte Drei-Säulen-Modell benutzt, das Nachhaltigkeit in den Schnittpunkt sozialen, ökologischen und ökonomischen Handelns stellt. Im englischen Sprachraum wird dies oft mit den Schlagworten People-Planet-Profit zusammengefasst.
Weiterführende Informationen:

Zusammenhang von Ethik, Nachhaltigkeit und CSR

ISO 26000

Die ISO 26000 ist ein international anerkannter Leitfaden für Unternehmen und Organisationen jeder Größe - vom Konzern über den mittelständischen Betrieb bis zum Kleinunternehmen. Sie basiert auf internationalen Gesetzen und Vereinbarungen und ist in Österreich als ONR 192500 zertifizierbar.

 

Dieser Leitfaden ist eine Anleitung zur ganzheitlichen Analyse, runtergebrochen auf die Betrachtung einzelner Aspekte zur Verbesserung der Nachhaltigkeitsaktivitäten einer Organisation. Die ISO 26000 dient auch zur Einbindung der Stakeholder.

 

Sie setzt voraus, dass Unternehmen und Organisationen

  • ihre gesellschaftliche Verantwortung anerkennen, zur nachhaltigen Entwicklung beizutragen;
  • ihre Stakeholder identifizieren und einbinden.

Das Unternehmen bzw. die Organisation bekennt sich dazu, sieben Grundsätzen zu folgen:

  1. Achtung der Menschenrechte
  2. Rechenschaftspflicht
  3. Transparenz
  4. Ethisches Verhalten
  5. Achtung der Interessen von Anspruchsgruppen (Stakeholder)
  6. Achtung der Rechtstaatlichkeit
  7. Achtung internationaler Verhaltensstandards

Der Leitfaden hilft Unternehmen und Organisationen mittels spezifischer Fragen in sieben Kernthemen, ihre Ist-Situation zu erfassen, Stärken und Schwächen zu identifizieren und daraus mögliche Ziele zur Verbesserung der Gesamtsituation abzuleiten.

Dieser ganzheitliche Ansatz berücksichtigt ins- besondere Abhängigkeiten zwischen den Kern- themen und anerkennt die besondere Bedeutung von Nachhaltigkeit als Querschnittsmaterie über alle Bereiche.

Weiterführende Informationen zur ISO 26000 finden Sie u.a. hier:

GRI G4

GRI G4 steht für die 4. Generation des internationalen Nachhaltigkeitsberichtsstandards der Global Reporting Initiative. GRI G4 bietet Organisationen international anerkannte Leitlinien zur Berichterstattung in zwei Optionen: eine „Kern-Option“ (core) und darauf aufsetztend und erweiternd eine „umfassende Option" (comprehensive). Beide Optionen sind von allen Organisationen, unabhängig von Größe, Branche oder Standort, anwendbar. Die Erfahrung zeigt, dass GRI G4  hauptsächlich von großen und mittelständischen Unternehmen angewendet wird.

 

Der Schwerpunkt von GRI G4 liegt auf dem Prozess zur Ermittlung wesentlicher Aspekte der Nachhaltigkeit einer Organisation. Das sind jene, die wichtige wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Auswirkungen der Organisation widerspiegeln oder die Beurteilungen und Entscheidungen der Stakeholder maßgeblich beeinflussen

Die „Kern-Option" enthält die wesentlichen Elemente eines Nachhaltigkeitsberichts. Sie schafft einen Hintergrund, vor dem eine Organisation Angaben zu den Auswirkungen ihrer wirtschaftlichen, ökologischen, gesellschaftlichen und führungsbezogenen Leistung machen kann. Die „umfassende Option" erfordert zusätzliche Standardangaben zu Strategie und Analyse, zu Unternehmensführung sowie zu Ethik und Integrität der Organisation. Darüber hinaus muss die Organisation ausführlicher über ihre Leistung berichten, indem sie alle Indikatoren im Zusammenhang mit den als wesentlich ermittelten Aspekten darlegt.

Weiterführende Informationen zu GRI G4 finden Sie bspw. hier:

Stakeholder

Der aus dem Englischen stammende Begriff wurde als Ergänzung bzw. Erweiterung des Begriffs Shareholder (Aktionär) eingeführt, um jene Personen bzw. Gruppen zu bezeichnen, die zwar keine Eigentümerinteressen haben, aber dennoch berechtigte Interessen an den Handlungen eines Unternehmens, da sie in irgendeiner Form von den Auswirkungen dieses Handelns betroffen sind.


Es gibt keine eindeutige deutsche Übersetzung des Begriffs, am ehesten gebräuchlich ist der Ausdruck "Anspruchsgruppe".


Stakeholder können Lieferanten, Kunden, Nachbarn, Mitarbeiter, Gesetzgeber aber auch die Umwelt sein. Es gibt unterschiedliche Ansichten und Ansätze, was den Einfluss, die Bedeutung und die Berücksichtung von Stakeholdern betrifft. Das Spektrum reicht von der bloßen Erfassung der Stakeholderinteressen und dem vorbeugenden Handeln zur Vermeidung von Reputationsverlust bis zur Einbindung von Stakeholdern in Unternehmensprozesse.

corporate Responsibility

Corporate Responsibility (CR) bzw. Unternehmensverantwortung beschreibt den Grad des Verantwortungsbewusstseins eines Unternehmens, wo immer seine Geschäftstätigkeit Auswirkungen auf die Gesellschaft, die Mitarbeiter, die Umwelt und das wirtschaftliche Umfeld hat. Corporate Responsibility steht im engeren Sinn für eine Unternehmensphilosophie, die Transparenz, ethisches Verhalten und Respekt vor den Stakeholdern in den Mittelpunkt unternehmerischen Handelns stellt. Der Begriff „CR“ wird manchmal synonym für CSR gebraucht und umschließt die Themenbereiche Corporate Citizenship und Corporate Governance.

corporate Citizenship

Corporate Citizenship (CC) stellt nur einen Teil der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen dar und bezeichnet das über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinausgehende Engagement von Unternehmen zur Lösung sozialer Probleme im lokalen Umfeld des Unternehmens. Somit reduziert sich CC im Wesentlichen auf Sponsoring, Spenden und Stiftungen.

corporate Governance

Es gibt derzeit keine einheitliche Definition oder Verständnis von Corporate Governance. In der Regel wird Corporate Governance (deutsch: Grundsätze der Unternehmensführung) als der Ordnungsrahmen für die Leitung und Überwachung von Unternehmen verstanden, welcher maßgeblich durch Gesetzgeber und Eigentümer bestimmt wird. Das unternehmensspezifische Corporate-Governance-System umfasst obligatorische und freiwillige Elemente und besteht aus der Gesamtheit relevanter Gesetze, Richtlinien, Kodizes, Absichtserklärungen und Unternehmensleitbild.